Ludvijen, 31. Oktober 1353 MZ


Mittlerweile gehöre ich seit drei Monaten zur Garde von König Ius, und wenn ich eins gelernt habe, dann, dass Bankette mich umbringen. Zumindest im übertragenen Sinn. Gestern war das dritte. Ich dachte ja, mit der Zeit wird es leichter, aber nein Herr Gevatter, das tut es nicht, und über kurz oder lang brechen mir diese formellen Gelage bestimmt noch das Genick.

 

Beim ersten Mal hat Ius der versammelten Mannschaft einen verdammt gelungenen Witz vorgetragen (oh, das kann er wie kaum ein zweiter), und ich wäre vor lauter Lachen fast zusammengebrochen. Hätte mir mal vorher jemand gesagt, dass mir so was als Leibwache des Königs streng verboten ist, hätte ich mir bestimmt rechtzeitig auf die Zunge beißen können. So aber hab ich mich bis auf die Knochen blamiert und dafür gesorgt, dass der Führungsstab der Garde ein sehr, sehr ernstes Wörtchen mit mir geredet hat. Wären sie darauf mal vorher gekommen ... Na ja, egal.

 

Für das zweite Bankett war ich jedenfalls vorbereitet und hab Ius' Scherze - die er wirklich gerne und ziemlich oft macht - so gut es ging zu ignorieren versucht. Tatsächlich schlug ich mich ganz passabel. Zumindest, bis dem König der Wein ausging und ich bemerkte, dass niemand ihm nachschenkte. Aus irgendeinem Grund sah ich es als meine Pflicht, dem Dienstpersonal Beine zu machen. Also schnappte ich mir den nächstbesten, der an mir vorüberhuschte. Dummerweise war die junge Dame, die ich dezent aber bestimmt darum bat, sich um das leibliche Wohl ihres Herrn zu kümmern, keine Dienstmagd, sondern die Tochter des Königs von Travijen. Bei des Henkers Bart, gab das ein Theater. Aber mal im Ernst, was kann ich denn dafür, wenn ihr Kleid fast genauso aussieht wie das der Bediensteten am hiesigen Hof? Ich bin ein Soldat, kein Fachmann für Mode! Also bitte! Zu blöd, dass der Führungsstab für meine Argumente kein sonderlich offenes Ohr besaß und mich beinahe von meinem Posten entbunden hätte - was König Ius der Sonne Gnade sei Dank zu verhindern wusste.

 

Tja, und gestern ... Sagen wir so, wenn man am Ende des Abends, nachdem alle gegangen sind, von seinem König das Angebot bekommt, mit ihm zwei, drei Ale zu heben, dann sollte man es auch bei zwei, drei Ale belassen. Man sollte sich das vierte, fünfte, sechste und so weiter unbedingt sparen, und gleiches gilt für diverse Schnäpse. Vor allem, wenn man die Trinkfestigkeit seines Gegenübers komplett unterschätzt.

 

Ehrlich, mein Kater reißt mich in Stücke.

 

Wieder etwas, das ich beim nächsten Mal besser weiß.