Über die Zeitalter des Weltenrunds


Die Geschichte der Welt unterteilt sich mit Stand vorliegender Aufzeichnungen in drei Epochen, bezeichnet als das Erste, das Menschen- sowie das Dunkelzeitalter. Nachstehend aufgeführt findet sich ein grober Überblick, der die entscheidenden Merkmale des jeweiligen Zeitalters beleuchtet.

 

Das Erste Zeitalter (EZ) zeichnet sich aus als Epoche der sogenannten ›Frühen Völker‹ des Weltenrunds. Überdies darf sich das EZ rühmen, von seiner ersten Erwähnung in antiken Schriften an gerechnet rund 9.000 Jahre überdauert zu haben. Geprägt wird das EZ im Besonderen von einer Vielzahl unterschiedlicher Volksgruppierungen, die im Verlauf der Jahrhunderte nach und nach ausgestorben sind. Darunter befanden sich unter anderem Zwerge, Elfen und Meerjungfrauen, Trolle, Kobolde und Gnome. Überdies tummelten sich heute als Fabelwesen geltende Tiere wie Einhörner, Greife oder Kelpies auf unserem schönen Kontinent, die - wie schon die Frühen Völker selbst - lange vor unserer Zeit aus Rokhanos verschwunden sind. Beendet wurde das EZ nach dem Tode des letzten Zwerges und der letzten Elfe, den Begründern des Volkes der Menschen. Bis heute ist strittig, welcher Angehörige besagter Gruppierungen das Weltenrund tatsächlich als Letzter verlassen hat.

 

Das Menschenzeitalter (MZ) findet seinen Anfang mit der gesicherten Erkenntnis, dass wir Menschen schlussendlich das einzige Volk auf dem Weltenrund darstellen, und wird somit rund drei Jahre nach dem oben erwähnten Ableben der letztgebliebenen Angehörigen der Frühen Völker eingeläutet. Was folgt, ist das Wachstum unserer Gruppierung, die sich auf dem Weltenrund mehr und mehr ausbreitet. Parallel dazu beginnen die Spuren unserer Vorfahren allmählich zu verblassen. Heute sind die Ruinen der Wohnsitze der Frühen Völker nur noch selten zu finden; in Rokhanos sind sie sogar zur Gänze verschwunden. Augenzeugen nach zu urteilen, finden sich hin und wieder Inschriften in Berghöhlen, die den verwendeten Runen nach dem Volk der Zwerge zugeordnet werden können. Des Weiteren wird gelegentlich von einer winzigen Elfeninsel gesprochen, auf der angeblich die Überreste der Lebensart eines ganzen Staates überdauerten. Nur wenige Menschen sollen besagten Ort jemals eigenen Auges erblickt haben, weshalb er im Volksmund als Legende gilt.

Ingesamt zählt das MZ am Ende 1379 Jahre, in denen die Menschheit reichlich zu berichten hat. So wuchs nicht nur die Zahl, sondern auch das Ansehen der Dharoi'Chairas. Wir bekamen es mit den Scáth zu tun, deren Auftauchen unter anderem die Theorie aufwarf, dass die Natur sie als unsere Fressfeinde vorgesehen hat. Daraus resultierte die Entstehung der Dharoi'Sola, deren Einsatz die Ausrottung der Bestien zu verdanken ist. Das einschneidenste Ereignis des MZ ist hingegen im Herbst des Jahres 1378 mit dem Fall der Sonne vonstattengegangen. Gleiches war der Anfang vom Ende des Menschenzeitalters.

 

Das Dunkelzeitalter (DZ) ist das Erbe des Sonnenfalls. Ausgerufen an dem auf die Letzte Nacht des Jahres 1379 MZ folgenden Ersten Tag des neuen Jahres erhält eine Ära der Finsternis ihren Namen. Ewige Nacht beherrscht das Weltenrund. Ein Firmament so schwarz wie mit Silbernadeln durchsetzter Teer hängt schwer über unseren Köpfen. Die Kinder der Sonne sind spurlos verschwunden. Das Leben der Menschheit wird bestimmt vom sogenannten Sonnenglas, den kläglichen Überresten unseres goldenen Himmelskörpers, von Schnee und Eiseskälte und dem Hass auf die Dharoi'Sola, denen das Bersten der Sonne zugeschrieben wird.

Drei der zwölf Königsstädte von Rokhanos sperren sich dagegen, die Lichtzauberer ihrer verdienten Strafe zukommen zu lassen, für deren Durchsetzung sich die Nachtzauberer des Zirkels der Gerechten verantwortlich gemacht haben. Da sich ein Einlenken der den besagten Städten vorangestellten Könige nicht erringen lässt, werden am 01. April 1 DZ die Läuterungskriege in Gang gebracht. Rund einen Monat sowie erbitterte Kämpfe später liegen Ludvijen, Rionn und Ter-Draven, inzwischen besser bekannt als die drei ›Abtrünnigen‹, in Schutt und Asche - und mit ihren Städten vergehen zahllose Menschenleben.

Während die Verfolgungen der Dharoi'Sola weitestgehend erfolgreich fortgesetzt werden, obliegt es nunmehr Alchemisten und Nachtzauberern, Gwylains und Andoleath' Platz einzunehmen, indem sie sich um die Geistnebel Verstorbener und die Beseelung von Säuglingen kümmern. Im Zuge dessen verzeichnen die Alchemisten manch wissenschaftlichen Durchbruch, unter anderem die Entwicklung und Verfeinerung des Verfahrens der Seelenreinigung. Zudem wird das Verbot der Verwendung von Nekromantiezauberei gelockert, erweist sich diese doch insoweit als existenziell für die Menschheit, als dass sie für die Verbindung Neugeborener mit gereinigten Geistnebeln dienlich ist.

Überdies setzen uns die wiedererwachten Scáth gut anderthalbtausend Jahre nach ihrer Ausrottung abermals mit ihrer Gefräßigkeit zu. Eine neue Kriegergruppe wird gegründet, genannt ›Fiagi jer Scáth‹. Ausgerüstet mit sonnenglasgespickten Waffen stellen sie sich den dunklen Bestien entgegen und setzen zum Schutz der Bürger von Rokhanos das eigene Dasein aufs Spiel.

Mit dem Fortschreiten des DZ wächst auf den Schultern der Menschheit die Last einer ungewissen Zukunft, und dieser eines Tages zu entrinnen, wird zum stetig schwindenden Wunschtraum.

 

 

Dearan O’Larning

Über die Zeitalter des Weltenrunds

Band I - Geschichte in Schrift gebannt