Die Fiagi jer Scáth


Gegründet im März des Jahres 4 DZ - somit rund ein Jahr nach Rückkehr der Scáth - ist es die Aufgabe dieser Zunft, ihre Mitbürger vor den Schattenwesen zu schützen. Die Fiagi kämpfen stets in festen, als „Loge“ bezeichneten Gruppen. Hierbei zählt die kleinste Loge zwei Mitglieder, während nach oben hin keine Grenzen gesetzt sind. In der Regel finden sich jedoch maximal acht Männer zu einer funktionierenden Jägerloge zusammen. Im Übrigen wählt jede Gemeinschaft einen der Ihren als festen Logenvorsteher, der unter anderem ein Exemplar der allmorgendlich verteilten Jägeraufträge in Empfang nimmt und das letzte Wort in den die Loge betreffenden Entscheidungen hat.

 

Die Größe eines solchen Verbundes hat indes nicht nur Einfluss auf die Kampfkraft der Gruppe, sondern ebenso auf die Aufträge, die eine solche meistern kann. So gelten Zweierlogen zwar als die Besten unter den Fiagi, da ihre Wahrnehmungen eines Scáth sich ausnahmslos bis ins kleinste Detail gleichen (Näheres zum Erscheinungsbild der Bestien findet der geneigte Leser im Leitfaden „Die Scáth“). Jedoch können sie aufgrund der geringen Zahl ihrer Mitglieder höchstens auf Schatten der Kategorie Vier angesetzt werden. In Fachkreisen gilt dagegen bereits ein solcher Kampf als für eine Zweierloge zu riskant, sodass sie für gewöhnlich nur Aufträge bis zur Kategorie Drei erhalten. Selbstredend wächst proportional zur Logengröße das Einsatzgebiet der Männer an.

 

Jede der rokhanischen Königsstädte verfügt über ihre eigenen Fiagi. Der überwiegende Teil der Logen wird in den Jägerhäusern, den sogenannten „Th’Each jer Fiagi“, untergebracht. Die Anzahl dieser Häuser variiert von Stadt zu Stadt. In Mar-Dinye beispielsweise gibt es fünf, in Ardys sogar sieben der Th’Each jer Fiagi. Neben den Schlafräumen für bis zu vier Männer beherbergen die Häuser je eine Küche samt Speisesaal sowie einen Zeugkeller. Weiterhin gehören zu jedem Häuserkomplex mindestens eine Stallanlage sowie ein reich ausgestattetes Übungsgelände. Mancherorts zählen ebenso Schmieden, Pubs und Badehäuser dazu, welche ausschließlich von den Fiagi und den Angestellten der Jägerhäuser genutzt werden dürfen.

 

Jährlich zur Frühjahrszeit beginnt die Suche nach neuen Jägern. Hierzu werden in den Städten und Dörfern Aushänge verteilt, die besagen, wann zum Jägerdienst gewillte Männer sich bei den Th’Each jer Fiagi einzufinden haben. Am entsprechenden Tag besieht der örtliche König samt seiner Hauptleute und der am Hofe angestellten Nachtzauberer die Versammelten, und man trifft eine erste Vorauswahl. Schon am folgenden Tag werden die ausgewählten Bewerber zu den Kampfproben herangezogen, die wiederum unter dem wachsamen Auge des Königs und seines Gefolges stattfinden. Über einen Zeitraum von sieben Tagen werden die Männer in Schwertkämpfen (Mann gegen Mann sowie Gruppe gegen Gruppe) geprüft. Gleichermaßen werden ihre Qualitäten im Umgang mit dem Bogen oder der Armbrust bewertet.

 

Im Anschluss an die Kampfproben ziehen der König und seine Leute sich zur Beratung zurück und sortieren die Spreu vom Weizen. Wer danach nicht heimgeschickt wird, darf sich - wenn auch vorerst nur inoffiziell - als Zugehöriger der Fiagi bezeichnen.

 

Von der endgültigen Zulassung zur Jägergemeinschaft trennt den Jäger jetzt bloß noch die Schauwiese. Hier wird ausnahmsweise nicht mit dem Schwert geglänzt, sondern mit dem Sehvermögen.

 

Bei der Schauwiese handelt es sich um eine außerhalb der Stadt liegende Arena. Sie besteht aus einem mittelgroßen, von wenigstens fünfundsechzig Fuß hohen Mauern umschlossenen Platz, auf deren Rand ein rund fünfzig Sitzplätze tragender Rang angebracht ist. Sie stellt den Austragungsort des letzten Teils der Aufnahmeprüfungen dar, für welchen der König nicht mehr gebraucht wird. Stattdessen finden sich auf dem Rang die ebenfalls häufig bei den Kampfproben anzutreffenden Schaulustigen ein, und - viel wichtiger - jene Logenvorsteher, denen der Sinn nach Verstärkung ihrer Gruppe steht. Zudem wohnt stets ein Abgesandter des Königs diesem letzten Test bei, mit dem Auftrag, seinem Herrn über die Ergebnisse und möglichen Neuzuteilungen der frisch rekrutierten Männer Bericht zu erstatten.

 

Haben Bewerber, Logenvorsteher, der Abgesandte und die Zuschauer ihre Plätze eingenommen, werden fünfzehn Scáth der Kategorie Eins auf die Schauwiese getrieben, von denen zuvor jeder mit einem andersfarbigen, widerhakenbewehrten Armbrustbolzen markiert worden ist. Nun heißt es für Logenvorsteher und Bewerber genau hinzusehen und möglichst detailgenau aufzuschreiben, was ihre Augen ihnen dort unten zeigen. Sobald sämtliche Schattenwesen beschrieben sind, werden die Aufzeichnungen miteinander verglichen. Hierbei stellt sich rasch heraus, welcher Mann zu welcher Jägerloge passt, und wenn beide Seiten einwilligen, zusammenzuarbeiten, ist die Aufnahme des Bewerbers bei den Fiagi jer Scáth besiegelt. Einen Sonderfall bilden hier die bereits oben erwähnten Zweierlogen. Diese setzen sich ausnahmslos aus zwei Bewerbern zusammen, nie aber aus Bewerber und Logenvorsteher.

 

Kommt es vor, dass ein Bewerber mit keiner der Logen der anwesenden Vorsteher harmoniert, pflegen die Städte, sich gegenseitig für die eigene Jägerschaft ungeeignete Kandidaten zu empfehlen. Auf diese Weise findet früher oder später jeder taugliche Mann seinen Platz im Kreise der Fiagi.

 

 

Kent Crails

Fiagi jer Scáth - Jäger und Beschützer