Die Zunft der Dharoi'Chairas


Die erstmalige Erwähnung der Dharoi'Chairas datiert bereits rund einhundert Jahre vor der Einläutung des Zeitalters der Menschen und somit aus dem letzten Jahrhundert des Ersten Zeitalters. Während die frühen Völker des Weltenrunds ihren ganz eigenen Formen der Zauberei oder gar überhaupt keiner solchen frönten, entdeckte das seinerzeit noch junge Volk der Menschen eine verborgene Kraft in den dunklen Stunden des Tages: den sogenannten Nachtäther.

 

Wie der Name verheißt, wirken die Kräfte dieses im ruhenden Zustand stets unsichtbaren Stoffes zur Nachtzeit besonders stark. Dementsprechend gestaltet sich die Macht des Dharoi'Chairas - heutzutage gleichermaßen als Nachtzauberer bekannt - in tageszeitgebundenen Abstufungen. Gegen Mitternacht, hier vor allem in Neumondnächten, erreicht die Intensität der Zauber eines Dharoi'Chairas ihren Zenit, während seine Fähigkeiten zur Mittagszeit ihren Tiefpunkt finden. Dunkle Orte wie beispielsweise Keller oder Gebirgshöhlen, und ebenso schattige Ecken, vermögen den Nachtäther auch tagsüber zu binden, sodass ein Dharoi'Chairas - von den soeben angesprochenen Einschränkungen abgesehen - nie zur Gänze von seiner Macht abgeschnitten ist.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen Zauberformen, reagiert der Nachtäther nicht auf Sprache. Um eine Verbindung zu ihm herzustellen, bedarf es geistiger Berührung, unterstützt durch physische Zeichen. Anders gesagt, fordert der Dharoi'Chairas die Dienste des Äthers durch seinen klar ausgerichteten Willen ein, der mittels durch seine Hände vollführter Gesten an den Nachtäther übertragen wird. Besagte Gesten erlangten über die Jahrhunderte hinweg eine für den Laien schier unüberschaubare Zahl, derer die Lehrkräfte an den Zauberakademien jedoch problemlos Herr werden.

 

An dieser Stelle sei angemerkt, dass das Handwerk des Dharoi'Chairas von jedem Menschen erlernt werden kann, der ein gewisses Maß an Zaubereibefähigung aufweist. Nach jüngsten Schätzungen ist dies auf Rokhanos begrenzt bei ca. 70 % der Menschen der Fall, während nur rund 50 % entsprechender Gruppierung gewillt sind, ihre Talente zu erkennen und zu nutzen.

 

Wer danach strebt, etwas aus seinen Fähigkeiten zu machen, wird sich alsbald an einer der in jeder rokhanischen Stadt angesiedelten und oben bereits erwähnten Zauberakademien einfinden. Während im ersten Lehrjahr die Grundlagen der Nachtzauberei erworben werden, steht zum zweiten Lehrjahr hin für jeden angehenden Dharoi'Chairas eine seinen weiteren Lebensweg entscheidend prägende Wahl an: Wird er sich in der Universalzauberei weiterbilden, in der er von sämtlichen Bereichen seiner Kunst nur die niederen Zauber lernt, oder gedenkt er, sich auf ein Gebiet zu spezialisieren, um sich neben den niederen zudem mittlere und hohe Zauber anzueignen? Wird eine Spezialisierung angestrebt, so stehen zahlreiche Möglichkeiten offen. Um dem geneigten Leser zumindest eine Handvoll Anhaltspunkte zu liefern, seien hier nur mehr wenige Beispiele erwähnt, namentlich Portal-, Heil-, Kampf-, Spür-, Levitations- und Fallenzauberei.

 

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass der Nachtäther die Gesinnung seines Nutzers nicht beurteilt. Ganz gleich, ob der Dharoi'Chairas hehre oder kriminelle Ziele vor Augen hat, der Äther wird den Forderungen eines jeden von ihnen bedingungslos Folge leisten. Im Übrigen ist aktiver Nachtäther regelmäßig und unzweifelhaft an einem milchigen, die Hände seines Anwenders umspinnenden Schimmern zu erkennen. Hierbei spricht der Fachmann vom verdichteten Nachtäther.

 

 

Rhona Camlínne

Die zwei Formen der Zauberei - Eine Gegenüberstellung